#throwback: NW4KW bei Stadt im Wandel

24. April 2024
NW4KW Workshop, Teilnehmene diskutieren

Zu Beginn fragten wir uns: “Was bedeutet Systemrelevanz? Und was bedeutet eigentlich Basisarbeit?” Die Frage nach systemrelevanten Berufen konnte einfach beantwortet werden: Es wurden verschiedene Berufsgruppen wie Pflegekräfte, Feuerwehrleute und Verkaufspersonal genannt, die während der Corona-Pandemie nicht im Homeoffice arbeiten konnten. Alanis Krick, wissenschaftliche Begleiterin im NW4KW von der Uni Hohenheim ordnete es noch konkreter ein: Systemrelevante Berufe sind Tätigkeiten und Berufe, deren Funktion für das Funktionieren der Gesellschaft und das Wohlergehen der Bevölkerung essenziell ist, insbesondere in Krisenzeiten wie Naturkatastrophen, Pandemien oder anderen Ausnahmesituationen. Diese Berufe sind oft unverzichtbar für die Aufrechterhaltung grundlegender Dienstleistungen und Infrastrukturen.

 

Die Frage nach der Definiton von Basisarbeit gestaltete sich dagegen schwieriger. Hier wurde vermutet, dass es sich um Tätigkeiten handelt, die grundlegende Bedürfnisse wie die Essensausgabe in der Pflege erfüllen. Felia Glaser von ORBiT erklärte, dass Basisarbeit alle Tätigkeiten umfasst, für die keine spezifische berufliche Qualifikation erforderlich ist und die oft durch praktische Anleitung vor Ort erlernt werden. Etwa 9,2 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten in Basisberufen, zu denen beispielsweise Paketzusteller, Reinigungskräfte, Sicherheitspersonal und Hilfskräfte in der Gastronomie gehören. Somit ist Basisarbeit oft ebenso systemrelevant.

 

Anschließend wurden die beiden ddn-Forschungsprojekte “NewWork4KeyWorker” (NW4KW) und “ORBiT – Organisationaler Respekt und Basisarbeit” präsentiert, mit denen sich dann in zwei Workshops konkreter befasst wurde. Genaueres zum NW4KW-Projekt lesen Sie hier.

 

Das ORBiT-Projekt hat zum Ziel, die Lebens- und Arbeitswirklichkeit der Basisarbeiter*innen sichtbar zu machen und ihre Perspektiven auf die betriebliche Realität zu lenken. Das Projekt stellt die Förderung von Anerkennung, Arbeitsbedingungen und Arbeitszufriedenheit von Basisarbeitenden in den Mittelpunkt und identifiziert Kriterien für einen respektvollen und gesunden Umgang im Unternehmen. Mehr dazu lesen Sie hier.

 

Der NW4KW-Workshop diskutierte intensiv die Umsetzung von “New Work” in systemrelevanten Berufen und wagte einen Blick in die Zukunft: Was wünschen wir uns für diese Berufe? Wie sollten die Arbeitsbedingungen in diesen Bereich idealerweise aussehen? Die NW4KW-Praxispartner Glasfaser Ruhr sowie Emschergenossenschaft und Lippeverband brachten ebenso ihre Perspektive und wertvollen Erfahrungen ein, um die Arbeitswelt für Systemheldinnen besser und attraktiver zu gestalten.

 

Im Workshop zum ORBiT-Projekt beschäftigten sich die Teilnehmenden mit den Dimensionen von organisationalem Respekt.  Anhand einer zuvor präsentierten Personenbeschreibung wurden potenzielle Handlungsfelder identifiziert und daraus Respektindikatoren abgeleitet. Als Beispiel wurde die Festlegung einer Gewichtsgrenze für Pakete für Paketzusteller vorgeschlagen, die idealerweise gesetzlich verankert werden sollte, um Unternehmen zur Umsetzung zu verpflichten. Zu Beginn wurden insbesondere strenge Indikatoren diskutiert, die Unternehmen zu verantwortungsbewusstem Handeln bewegen sollen. Anschließend wurde anhand verschiedener Arbeits- und Lebenserfahrungen erörtert, wie sich diese auf die Grundsätze der Arbeit übertragen lassen. Die erarbeiteten Indikatoren wurden auf Karten festgehalten und abschließend in Cluster zusammengefasst.

 

Zum Abschluss wurden die Erkenntnisse im Plenum präsentiert und es wurde deutlich: NewWork-Konzepte für verschiedene Branchen, Berufe, Menschen können vielfältig aussehen. Im Hinblick auf Respekt wurde hervorgehoben, dass sowohl Gesetze als auch die Haltung des Unternehmens/ der Managementebene entscheidend für das Erleben von Respekt in der Arbeitswelt sind!